Immobilie Hauptstraße 30a – Mehrparteienhaus für Senioren im sozialen Wohnungsmarkt
Das Mehrparteienhaus in der Hauptstraße 30a in Einhausen war über viele Jahre eine wichtige Wohnadresse für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger mit begrenztem Einkommen. Die Immobilie befand sich im Eigentum der Gemeinde und bot kleinen, bezahlbaren Wohnraum für Seniorinnen und Senioren. Trotz sichtbarer Sanierungsbedürftigkeit erfüllte das Haus eine zentrale soziale Funktion im Ort.
1. Einordnung in die Gemeindepolitik
In der Gemeindevertretung (GVE) setzte sich unsere Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen Einhausen, frühzeitig dafür ein, dass der Vorgang um die Immobilie öffentlich beraten werden sollte. Ursprünglich war geplant, den Punkt – den geplanten Verkauf an einen Investor – im nicht öffentlichen Teil der Sitzung zu behandeln.
Wir vertraten die klare Position, dass dieser Verkauf, der das Schicksal mehrerer hochbetagter Bewohnerinnen und Bewohner betrifft, von öffentlichem Interesse ist. Daher beantragten wir, den Tagesordnungspunkt in den öffentlichen Teil zu verlegen – leider ohne Erfolg.
2. Erster Beschluss und Befürchtungen
Im nicht öffentlichen Teil der GVE wurde schließlich der Verkauf an einen Investor beschlossen.
Ein ortsbekannter Handwerker, Wolfgang B., hatte schon zuvor die Befürchtung geäußert, die Immobilie werde „mit der Abrissbirne saniert“. Leider sollte er recht behalten. Obwohl das Gebäude sanierungsbedürftig war, wäre eine Sanierung oder Aufstockung durchaus möglich gewesen.
3. Bauleitplanverfahren „Am Schulsteg“ (Bebauungsplan 44)
Mitte 2024 kam der Vorgang erneut in anderer Form in die GVE – diesmal unter dem Tagesordnungspunkt „Bebauungsplan 44 – Am Schulsteg“. Unter diesem Punkt wurden gleich mehrere Themen zusammengefasst:
- Ersatzneubau für die Sozialwohnungen der Hauptstraße 30a
- Weiteres Vorgehen, blau-grünen Klassenzimmers an der Weschnitz
- Weitere Planung der Weschnitzrast mit Spielplatz
- Ggf. Neubau einer Parkpalette an der Weschnitz
Wir Grünen beantragten, die Punkte zu trennen, um eine sachgerechte und transparente Diskussion über jedes Teilprojekt zu ermöglichen. CDU und SPD lehnten diesen Antrag jedoch mehrheitlich ab.
Auch in der darauffolgenden GVE-Sitzung im November 2024 hielten wir unsere kritische Position aufrecht.
4. Auswirkungen auf die Bewohnerinnen und Bewohner
Die letzten noch verbliebenen Seniorinnen und Senioren mussten ausziehen – sie erhielten Ersatzwohnungen und die Aussicht, nach Fertigstellung des Neubaus wieder zurückkehren zu dürfen.
Doch dieser Prozess war für viele der älteren Menschen emotional belastend. Einige verloren ihre gewohnten Nachbarschaften und die kleinen Gärten. Eine Bewohnerin äußerte mir tief besorgt, was aus ihrer alten, blinden Katze werden solle – ein Zeichen, wie sehr der Umzug in ihr Leben eingreift.
5. Abriss und Neubau
Im Laufe des Jahres 2025 wurde die Immobilie Hauptstraße 30a schließlich abgerissen, der Neubau begann.
In der GVE-Sitzung im Dezember 2025 äußerte sich Bürgermeister Helmut Glanzner sehr positiv über den Baufortschritt und lobte das Projekt.
Wir Grünen hingegen sehen die Entwicklung kritisch. Mit dem Verkauf der Immobilie hat sich die Gemeinde Einhausen von einigen Sozialwohnungen verabschiedet.
6. Verlust kommunaler Verantwortung
Durch die Übertragung an einen Investor werden die neuen Wohnungen nach Ablauf der gesetzlichen Bindungsfrist in den allgemeinen Wohnungsmarkt übergehen und damit ihre Sozialbindung verlieren.
Aus unserer Sicht gibt die Gemeinde damit ein Stück ihrer sozialen Verantwortung auf.
Auch das Argument, durch den Verkauf könnten mehr Sozialwohnungen entstehen, ändert nichts an der Tatsache, dass Einhausen damit langfristig die direkte Einflussmöglichkeit auf diesen sozialen Wohnraum verliert.
Fazit
Das Beispiel Hauptstraße 30a zeigt deutlich, wie wichtig es ist, kommunale Verantwortung für sozialen Wohnraum aktiv wahrzunehmen und Entscheidungen transparent zu gestalten.
Für uns Bündnis 90/Die Grünen Einhausen bleibt es ein zentrales Anliegen, dass Sozialwohnungen nicht zur Ware werden, sondern ihrer eigentlichen Aufgabe dienen: den Menschen ein bezahlbares, würdevolles Zuhause zu ermöglichen.
Abschließend noch der Kommentar von Markus Hirt ( langjähriger, geschätzter Fraktionsvorsitzender der Fraktion Bündnis90/Die Grünen Einhausen): „ Im Schnitt steigen Mieten um 20-30% wenn ein Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird.
Die Zementproduktion trägt 8% zu den weltweiten CO2-Emissionen bei.“
